Brennnessel
15 Jun

Verachtet und unterschätzt


Wer je an einer Brennnessel gestreift hat weiß, dass das keine freundliche oder gar liebliche Pflanze ist. Unter den vielen Kräutern fristet die Brennnessel leider ein wenig beachtetes Schattendasein. Dabei ist diese Pflanze eine der spannendsten und hilfreichsten, von der praktisch alle Teile genutzt werden können. Als Tee, als Spinat-artiges Gemüse, zum Einnehmen, Einreiben, als Nahrungsergänzung oder der Brennnessel-Samen als Energiespender. Dazu pflückt man die Samen, lässt sie über Nacht trocknen oder röstet sie auf dem Herd in einer Pfanne und gewinnt so die Samenkörner. In denen steckt jede Menge Energie, so dass viele vegane Sportler die Brennnessel-Samen als Kraftnahrung schätzen. Die Samen lassen sich gut lagern und können über den Salat gestreut, mit Honig verrührt als Brotaufstrich oder auf viele andere Arten genossen werden.

Das Kraut gegen das Vergessen

In der Naturapotheke gibt es auch einige wunderbare Rezepte gegen Vergesslichkeit. Zum Beispiel dieses, fast tausend Jahre alte von Hildegard von Bingen: 30 Gramm Brennnessel mit 50 ml Olivenöl im Mixer pürieren und in einem gut verschlossenen Glas etwa 2 bis 3 Tage an einer hellen Stelle ziehen lassen; dabei das Glas immer wieder durchschütteln. Danach reiben Sie täglich vor dem Schlafengehen einige Tropfen der Mixtur auf dem Brustbein und den Schläfen mit sanft kreisenden Bewegungen ein und lassen dabei die Ereignisse des Tages Revue passieren. Die Mischung ist für etwa drei Monate haltbar, wenn sie regelmäßig im Glas geschüttelt wird.

Ersatz für die halbe Hausapotheke

Auch als Aufgusstee leistet die Brennnessel gute Dienste bei Akne, Arthritis, Arthrose, Blutarmut (Anämie), Darmgeschwüre, Durchblutungsstörungen, Eisenmangelanämie, Ekzemen, Furunkel, Gelenkschmerzen, Juckreiz, kalte Hände oder Füße, Krallenhand, Nagelpilz und Nierenleiden. Die Anwendung erfolgt dabei immer als Aufgusssud, der je nach Beschwerden als Tee innerlich oder äußerlich angewendet wird. Damit man dieses Wunderkraut nutzen kann, braucht man es einfach nur pflücken: Niemand wird einem einen Bund gepflückter Brennnesseln neiden. Das wohl auch deshalb, weil das Pflücken der Pflanze meist brennende oder juckende Hautstellen hinterlässt.

Ernten ohne Schmerzen

Grundsätzlich gibt es zwei Techniken, um die Brennnessel zu ernten: entweder die ganze Pflanze, die man mit festen Leder- oder Silikonhandschuhen oben am Stengel hält, während man sie unten mit der Baumschere schneidet, oder nur die Brennnesselblätter, die man auch ungeschützt berühren kann, wenn sie an der Unterseite nah am Stengel anfasst und zur Blattspitze ziehen vom Stengel reißt. Da Brennnessel lange und schlanke Pflanzen sind, die sich im Wind stark bewegen oder auch auf ungeschickte Berührung peitschend zurückschlagen, sollte man keine nackten Hautstellen der Brennnessel aussetzen. Kurze Leibchen, kurze Hosen oder Sandalen sollten nur die Härtesten beim Pflücken tragen. Um die wertvollen Inhaltsstoffe der Brennnessel zubewahren, muss sie rasch verarbeitet werden. Pflücken Sie also nur so viel, wie Sie wirklich benötigen oder gefroren lagern können.

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